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Preis für medizinische Friedensarbeit

Griechischer Arzt wird ausgezeichnet

14.10.2016
Illustration: © FlorianTM - Fotolia.com

Der International Medical Peace Award wird am 14. Oktober 2016 im Rahmen des 5. Internationalen IPPNW-Kongresses „Medizin und Gewissen“ verliehen und ist mit 3000 Euro dotiert.

Der griechische Arzt und Gründer der griechischen Solidaritätsklinik Metropolitan Community Clinic Ellnikó, Dr. Giorgos Vichas, erhält einen internationalen Preis für medizinische Friedensarbeit. Der Preis wird am 14. Oktober 2016 im Rahmen des 5. Internationalen IPPNW-Kongresses „Medizin und Gewissen“ verliehen und ist mit 3.000 Euro dotiert. Stifter des International Medical Peace Awards sind die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und das Europäische Netzwerk „Medical Peace Work“. Den zweiten nicht-dotierten Preis teilen sich die Krankenschwester Fikr Shalltoot aus Gaza und die Ärzteorganisation Physicians for Human Rights Israel zu gleichen Teilen.

Viele Griechen können sich aufgrund der drastischen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen keine Arztbesuche oder Medikamente mehr leisten. Schätzungsweise 3 Millionen Menschen in Griechenland haben keine Sozialversicherung und müssen medizinische Leistungen aus eigener Tasche zahlen. Der Kardiologe Dr. Giorgos Vichas baute 2011 während der sogenannten „Finanzkrise“ in Griechenland eine Klinik für Arme auf - eine von über 40 Solidaritätskliniken in ganz Griechenland und zwölf im Großraum Athen. Unermüdlich kritisiert er die „tödliche Sparpolitik“ der sogenannten „Institutionen“ (ehemals Troika), nicht nur gegenüber der griechischen Regierung, sondern auch in der europäischen Öffentlichkeit, z.B. im Straßburger EU-Parlament.

Auslöser war im Frühjahr 2011 ein Herzpatient des Kardiologen, der wegen zweier Herzinfarkte in Behandlung war, das Krankenhaus aber viele Monate nicht mehr aufgesucht hatte. Wie sich herausstellte, war er inzwischen arbeitslos und konnte die Herzmedikamente nicht mehr zahlen. Er litt unter schweren Lungenödemen. Dr. Vichas war schockiert. Am 15. Dezember 2011 gründete der griechische Arzt zusammen mit vier anderen Ärzten die solidarische Klinik Ellnikó. Seitdem bietet die Klinik kostenfreie medizinische Versorgung und Medikamente für alle Nichtversicherten, Arbeitslosen und bedürftigen Patienten an. Die Zahl der freiwilligen und unentgeltlich behandelnden Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Therapeuten ist inzwischen auf 200 gestiegen. Die MitarbeiterInnen bieten darüber hinaus psychologische Unterstützung an und stellen Babynahrung und andere grundlegende Babyartikel kostenlos zur Verfügung. Für viele Athener sind diese Kliniken Lebensretter. Die Solidaritätsklinik ist beispielsweise der einzige Ort in Athen, wo Krebspatienten kostenfreie Chemotherapie erhalten können, die durch Spenden finanziert wird. Seit März 2016 März verwaltet die Klinik zudem Medikamentenausgabe für Flüchtlinge.

Fikr Shalltoot erhält den zweiten Platz des medizinischen Friedenspreises für ihren Mut und ihre Menschlichkeit, mit der sie das Gaza-Team der Gesundheitsorganisation Medical Aid for Palestinians während der Angriffe auf den Gazastreifen im Jahr 2014 vor Ort leitete. Geehrt wird auch ihr jahrelanger Einsatz, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die katastrophalen humanitären Folgen der israelischen Blockade des Gazastreifens zu lenken. Shalltoot teilt sich den zweiten Platz mit Physicians for Human Rights Israel. Die Ärzteorganisation wird für ihre Arbeit der letzten drei Jahrzehnte geehrt, in denen sie sich unermüdlich für die Menschenrechte in Israel und Palästina und für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzt und damit Brücken baut zwischen beiden Völkern.

Weitere Informationen über den Kongress „Medizin und Gewissen“ finden Sie unter www.medizinundgewissen.de. Informationen über das Internationale Bildungsprojekt „Medical Peace Work“ entnehmen Sie bitte der Homepage www.medicalpeacework.org
 

Illustration: © FlorianTM - Fotolia.com