Multiples Myelom: Seltene Nebenwirkung von CAR-T-Zellen erfordert interdisziplinäre Versorgung17. Juni 2026 Zytologische Untersuchung eines Knochenmarkaspirats beim Multiplen Myelom. Bild: ©David A. Litman – stock.adobe.com Kölner Forscher haben seltene neurologische Komplikationen untersucht, die bei Patienten mit Multiplem Myelom nach der CAR-T-Zelltherapie Ciltacabtagen autoleucel (Cilta-cel) auftreten können. Zudem entwickelten sie ein strukturiertes Konzept für die Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Onkologie. Bei der CAR-T-Zelltherapie werden körpereigene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und angreifen können. Neben bekannten frühen Nebenwirkungen rücken zunehmend seltenere neurologische Komplikationen in den Fokus, die außerhalb des klassischen frühen Neurotoxizitätsbildes auftreten. Dazu zählen unter anderem Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen, Hirnnervenlähmungen, Guillain-Barré-ähnliche Syndrome oder Enzephalitiden. Diese können erst Wochen bis Monate nach der Behandlung auftreten. Dreistufenkonzept für eine bessere Versorgung Im Rahmen einer retrospektiven Analyse untersuchten die Forschenden 117 Patienten mit Multiplem Myelom, die an der Uniklinik Köln mit Cilta-cel behandelt wurden. Zehn Betroffene (8,5 Prozent) entwickelten schwere neurologische Komplikationen. Auf Grundlage dieser Erfahrungen entstand ein praktisches Dreistufenkonzept zur Einschätzung des Schweregrads und zur strukturierten interdisziplinären Versorgung. Es soll helfen, neurologische Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und Behandlungsabläufe zu standardisieren – auch außerhalb spezialisierter CAR-T-Zentren. „Diese Nebenwirkungen beginnen oft verzögert und können an jedem Krankenhaus auftreten, nicht nur an spezialisierten CAR-T-Zentren. Unser Ziel war es, einen praktisch anwendbaren Rahmen zu schaffen, damit Warnzeichen früh erkannt werden und neurologische sowie onkologische Teams strukturiert handeln können“, sagt Dr. Jan-Michael Werner, Assistenzarzt an der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln und Erstautor der Studie. Enge tägliche Zusammenarbeit entscheidend Die Uniklinik Köln zählt zu den erfahrenen CAR-T-Zentren in Europa und verfügt mit der Klinik für Neurologie sowie der Klinik I für Innere Medizin über die klinische Expertise, die für die Analyse dieser seltenen Komplikationen erforderlich ist. „Das Besondere an dieser Arbeit ist, dass sie aus einer echten klinischen Partnerschaft entstanden ist. Nur durch die enge tägliche Zusammenarbeit mit unseren neurologischen Kolleginnen und Kollegen können wir diese Fälle verstehen und ein gemeinsames Konzept entwickeln, das über unsere Klinik hinaus Anwendung finden kann“, sagt Dr. Tim Richardson, Leiter der Myelomsprechstunde an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und Letztautor der Studie. Die Forschenden betonen, dass größere prospektive Registerstudien notwendig sind, um Risikofaktoren besser zu verstehen und einheitliche Behandlungsempfehlungen zu entwickeln.
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