Mobile Hightech-Diagnostik: Modellprojekt soll Pflegeheime im Saarland versorgen9. Juni 2026 Der LKW vollgepackt mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren. Bildquelle: Iris Maurer, ©Universität des Saarlandes Ein LKW ausgestattet mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren und medizinische Untersuchungen vor Ort ermöglichen. Die erste Phase des Modellprojektes startet im September. Im Saarland gibt es derzeit 160 Pflegeheime. Darin leben mehr als 14.000 Menschen, die häufig dement oder in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Wenn diese betagten Personen gesundheitliche Probleme bekommen, werden sie meist nur zur Diagnostik für mehrere Tage ins Krankenhaus eingewiesen. Der Transport und die ungewohnte Umgebung belasten diese risikogefährdete Patientengruppe sehr. Um ihnen dies zu ersparen und die Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten, hat Klaus Faßbender, langjähriger Medizinprofessor an der Universität des Saarlandes, ein umfangreiches Konzept für die mobile Diagnostik von Pflegeheimbewohner:innen erarbeitet. Dieses Konzept hat bereits vor vier Jahren den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) überzeugt: Er beauftragte Faßbender damit, im Rahmen eines innovativen medizinischen Versorgungsmodells ein passendes Fahrzeug mit technischer Diagnostik zu entwickeln und es an saarländischen Pflegeheimen testweise einzusetzen. Für dieses bundesweit einmalige Modellprojekt bewilligte der G-BA zudem mehr als acht Millionen Euro Fördergelder. Hightech-Diagnostik auf vier Rädern Silvia Rauen, Leitende Ärztin der Mobilen Geriatrie Unit, erläutert die Technik im Behandlungsraum des LKWs. Bildquelle: Iris Maurer/Universität des Saarlandes Das DIKOM-Fahrzeug wurde mit einem Computertomographen, einem Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor ausgestattet, was dem Standard einer klinischen Notaufnahme entspricht. Der LKW umfasst einen barrierefrei zugänglichen Behandlungsraum und eine hochwertige Ausstattung für die digitale Vernetzung und telemedizinische Kommu¬nikation. Anspruchsvoll ist auch die energetische Versorgung, für die ein besonders leistungsfähiges Batte¬riesystem entwickelt wurde. Dieses garantiert den ganztägigen Betrieb aller diagnostischen Geräte und macht die telemedizinische Vernetzun¬g möglich. Die Batterien werden jeweils über Nacht aufgeladen, um die mobile geriatrische Einheit tagsüber voll einsatzbereit zu halten. An der technischen Entwicklung und Umsetzung war die Homburger Firma „A6 JUNG“ maßgeblich beteiligt, die Expertise für Spezialanfertigungen im Fahrzeugbau hat. Die „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) wird bei ihren Untersuchungseinsätzen von Fachärzt:innen sowie von medizinisch-technischen Radiologie- und Rettungsassistent:innen begleitet. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie übermittelt. „Diese Experten werten die Befunde aus und stellen sie zeitnah den überweisenden Hausärzten und den Pflegeteams in den Heimen zur Verfügung, damit diese ihre Patienten in vertrauter Umgebung weiter versorgen können. Auf diese Weise werden die Haus- und Fachärzte vor Ort gestärkt und die Krankenhäuser entlastet. Auch die Beiträge der Versicherten werden wirtschaftlicher eingesetzt“, erklärt Faßbender. „Mobile Geriatrie Unit“ rollt ab September Die Einsätze des neuen Hightech-Lasters an saarländischen Pflegeheimen werden wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu evaluieren. In der im September startenden aktiven Modellphase erhalten zunächst rund 4.000 Heimbewohner:innen aus etwa 50 Pflegeheimen eine „mobile Diagnostik“ in ihrer vertrauten Umgebung. Universitätspräsident Ludger Santen sagt anlässlich der Präsentation der MGU: „Das DIKOM-Fahrzeug ist ein Musterbeispiel für den Wissenstransfer an der Universität. An der Medizinischen Fakultät entstand die geniale Idee, die Hightech-Diagnostik zu den betagten Menschen zu bringen, um diesen damit belastende Krankenhausaufenthalte zu ersparen. Mit viel Engagement und Erfindergeist sowie der Unterstützung zahlreicher Partner aus der Medizin und Medizintechnik sowie der Sozial- und Gesundheitswirtschaft wurde diese Idee nun buchstäblich auf die Straße gebracht.“ Viel Unterstützung für Modellprojekt Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, des Caritasklinikums Lebach sowie verschiedener Institute des Universitätsklinikums. Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der gesamte innovative Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet. Insgesamt haben Faßbender und sein Team für die Projektlaufzeit von insgesamt drei Jahren zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner zur Mitwirkung gewonnen.
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