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Prozesse verstehen, um heilen zu können

Ernst Jung-Preis für Medizin an Prof. Tobias Moser

06.01.2017
Tobias Moser. Foto: © Böttcher-Gajewski MPIbpc

Gemeinsam mit den anderen Auszeichnungen werden vier Forschende aus den Gebieten der Auditorischen Neurowissenschaften, der Strukturbiologie, der Zellulären Mikrobiologie sowie der Viszeralchirurgie mit einer Gesamtpreissumme von 540.000 Euro geehrt und gefördert.

Der mit 300.000 Euro dotierte Ernst Jung-Preis für Medizin geht an Prof. Tobias Moser (48) sowie an Prof. Nenad Ban (50) und damit an zwei Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen: Tobias Moser ist Institutsleiter und Professor am Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen und Leiter weiterer Arbeitsgruppen auf dem Gebiet. Der Neurowissenschaftler leistet Pionierarbeit zu den Mechanismen der Signalverarbeitung bei Hören und Schwerhörigkeit und entwickelt neue Therapieansätze.

Wie werden Geräusche von unserem Gehör aufgenommen? Wie erhalten wir innerhalb weniger Sekundenbruchteile eine akustische Information? Schallwellen treffen auf das Ohr und werden von den Sinneszellen der Cochlea, den sogenannten Haarzellen, in elektrische Signale umgewandelt, die unser Gehirn wahrnehmen und verarbeiten kann. Diese blitzschnell ablaufenden, hochkomplizierten Prozesse der synaptischen Schallkodierung auf molekularer Ebene zu verstehen, ihre Pathologie zu untersuchen und Gentherapien zu entwickeln sind die Forschungsziele Moser und seiner Mitarbeiter.

Als Vorreiter erarbeiteten sie in der Vergangenheit bereits wichtige Grundlagen auf dem Gebiet, das mittlerweile von weltweit mehr als 20 Arbeitsgruppen sehr aktiv erforscht wird. Darüber hinaus untersuchen die Wissenschaftler um Moser die spezialisierten auditorischen Synapsen des Hirnstamms, die Informationen sehr zuverlässig und mit hoher Geschwindigkeit übertragen. Seit 2008 leisten sie zudem Pionierarbeit bei der Etablierung des optogenetischen Cochlea-Implantats.
 
Moser leitet in Göttingen die Arbeitsgruppe „Auditorische Neurowissenschaften und Optogenetik“ am Deutschen Primatenzentrum, die Arbeitsgruppe „Synaptische Nanophysiologie“ am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie sowie die assoziierte Arbeitsgruppe „Auditorische Neurowissenschaften“ am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin.

„Ich bin von Natur aus neugierig und möchte den Dingen intensiv auf den Grund gehen“, erklärt der 48-jährige seine Motivation zur Forschung. „Kreativität, Leistungsbereitschaft, Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind für mich Schlüsseleigenschaften eines erfolgreichen Forschers. Für Ärzte zudem die Fähigkeit, für erkrankte Menschen ein kompetenter medizinischer Partner zu sein und eine gute Balance aus Fürsorge und Akzeptanz des Patientenwillens zu finden.“ Neben seiner Arbeit verbringt Tobias Moser Zeit mit seiner Frau und seinen drei Kindern und widmet sich dem Sport, der Natur und der Kunst.

Nenad Ban arbeitet als Professor für Molekulare Strukturbiologie am Institut für Molekularbiologie und Biophysik im Departement Biologie der ETH Zürich (Swiss Federal Institute of Technology). Der Strukturbiologe beschrieb als erster Wissenschaftler den atomaren Aufbau der Ribosomen in eukaryotischen Zellen. Damit schaffte er einen wichtigen Schritt zum Verständnis der Proteinbiosynthese in gesunden Zellen und wie dieser fundamentale Prozess bei assoziierten Erkrankungen wie Krebs oder Stoffwechselstörungen verändert ist.
 
Mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold zeichnet die Stiftung das wissenschaftliche Lebenswerk von Prof. Pascale Cossart (68) aus. Die Französin leitet die Arbeitsgruppe „Bacteria-cell interactions“ (Inserm U604) am Pasteur-Institut in Paris und ist als „Secrétaire perpétuel“ an der französischen Wissenschaftsakademie Académie des Sciences de l’Institut de France tätig. Der Preisträgerin erhält zusammen mit der Medaille das Privileg, einen Nachwuchswissen­schaftler auszuwählen, dem ein Stipendium in Höhe von derzeit 30.000 Euro zur Verfügung gestellt wird.

Den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung in Höhe von insgesamt 210.000 Euro erhält Dr. Lena Seifert (33), Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.
 
Um des Stifters Ernst Jung zu gedenken, werden die neuen Preis- und Medaillenträger in jedem Jahr zu seinem Todestag am 8. Januar bekannt gegeben. Die feierliche Verleihung der Auszeichnungen findet am 19. Mai 2017 in Hamburg statt. Seit der ersten Preisverleihung vor 41 Jahren hat die Jung-Stiftung 123 Preis- und Medaillenträger ausgezeichnet und den medizinischen Fortschritt so mit rund 12 Millionen Euro unterstützt
 

Tobias Moser. Foto: © Böttcher-Gajewski MPIbpc