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Telemedizin

Freie Ärzteschaft kritisiert Videosprechstunden

31.01.2017
Symbolbild: © Photographee.eu – fotolia.com

Nach Ansicht der Freien Ärzteschaft (FÄ) gibt es für die Telemedizin kaum sinnvolle Anwendungen. Für die FÄ ersetzen Videosprechstunden keine Ärzte und schaffen Distanz.

„Aus Telemedizin wird ein Riesenhype gemacht, obwohl sie den Behandlungsnotwendigkeiten und Patientenwünschen nicht gerecht wird", stellte die FÄ am Wochenende auf ihrer Klausurtagung in Kassel fest. Hier würden offenbar Interessen der IT- und Telematikindustrie bedient, aber nicht die der Patienten.

Von wenigen Ausnahmen wie beispielsweise der Fernbefundung von Röntgen- oder CT-Bildern abgesehen gebe es kaum sinnvolle Telemedizinprojekte. „Gesetzliche Krankenkassen mussten bereits feststellen, dass deratige Projekte viel Geld verschlingen, aber weder ihren medizinischen Sinn erfüllen noch sich wirtschaftlich rechnen", erläuterte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich. „Telemedizin wird propagiert, um  Versorgungslücken' etwa aufgrund von Ärztemangel zu schließen – die Ursachen für die Mängel im Gesundheitswesen werden aber weiter ignoriert."

Ein besonderes Auge hat die FÄ auf die sogenannte Telekonsultation geworfen, bei der Arzt und Patient etwa über Video in Kontakt stehen. „Sollte dies für Patienten und Ärzte hilfreich sein, wird sich die  Telekonsultation in einem freien Markt etablieren. Dennoch ersetzen Videosprechstunden keinen einzigen Arzt, weil der Arzt, der die Videosprechstunde macht, nicht gleichzeitig in der realen Sprechstunde Patienten behandeln kann."

„Besonders ein Erstkontakt mit einem Patienten via elektronischer Medien", so der FÄ-Chef, „kann nicht mehr leisten, als das Anliegen des Patienten hinsichtlich seiner Dringlichkeit einzuordnen. Also die Frage zu beantworten: Braucht ein Patient zügig oder weniger zügig die richtige Diagnose und die richtige Behandlung." Von Behandlung via Telemedizin könne gar nicht die Rede sein. Das ärztliche Berufsrecht schreibe im Übrigen bei jeder ärztlichen Behandlung einen persönlichen physischen Erstkontakt vor, der Arzt müsse den Patienten also mindestens einmal gesehen haben. „Das ist ausgesprochen sinnvoll
und sollte so bleiben – auch wenn seit vielen Jahren Lobbyisten der Industrie versuchen, diese Bestimmung abschaffen zu lassen."

„Die Arzt-Patienten-Beziehung basiert auf dem persönlichen Kontakt. Langjährige Begleitung und Kenntnis der Lebensumstände eines Patienten sowie die Möglichkeit zur psychosozialen Beratung und Einflussnahme sind Erfolgsfaktoren bei der Behandlung. Die Fernbehandlung dagegen schafft Distanz und schränkt die Möglichkeiten des Arztes ein, die Krankengeschichte möglichst vollständig zu erfassen  sowie Erkenntnisse aus dem unmittelbaren Verhalten des Patienten zu gewinnen", so Dietrich weiter. Vor allem aber könne der Patient nicht körperlich untersucht werden und es ließen sich keine ersten diagnostischen Maßnahmen wie etwa eine Blutentnahme durchführen – dadurch könnten sich die Diagnosestellung und letztlich die Behandlung verzögern.
 

Symbolbild: © Photographee.eu – fotolia.com