Risiko für Typ-2-Diabetes: Testosteron hilft nur in Kombination mit Lebensstilmaßnahmen

Eine Testosterontherapie kann in Kombination mit Lebensstilintervention bei älteren Männern das Risiko für Typ-2-Diabetes reduzieren. Symbolbild: cacaroot/stock.adobe.com

Eine Testosterontherapie kann bei älteren Männern mit hohem Risiko für einen Typ-2-Diabetes die Körperzusammensetzung, den Glukosestoffwechsel und das sexuelle Verlangen verbessern. Einen gesunden Lebensstil ersetzt sie jedoch nicht, wie aktuelle Daten zeigen.

Typ-2-Diabetes betrifft weltweit mehrere hundert Millionen Menschen und wird besonders häufig bei Erwachsenen ab dem 45. Lebensjahr diagnostiziert. Die Erkrankung ist eng mit abdominaler Adipositas sowie dem Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft assoziiert. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, das Risiko diabetesbedingter Komplikationen zu verringern.

Aber: „Eine Testosterontherapie allein ist kein Ersatz für Lebensstilinterventionen, Gewichtsmanagement oder etablierte Maßnahmen zur Diabetesprävention bei älteren Männern mit zentraler Adipositas und Prädiabetes oder einem früh diagnostizierten Typ-2-Diabetes“, betont Studienleiter Dr. Gary Wittert von der University of Adelaide und dem Royal Adelaide Hospital (Australien). Er stellte die aktuellen Daten vergangenes Wochenende auf der Jahrestagung der Endocrine Society (ENDO 2026) in Chicago (USA) vor.

Langzeitdaten aus der T4DM-Studie

Die aktuellen Ergebnisse basieren auf einer Subanalyse der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie „Testosterone for the Prevention of Type 2 Diabetes Mellitus“ (T4DM), deren Hauptresultate bereits 2021 veröffentlicht wurden (Wittert et al.).

In die ursprüngliche Studie waren 1.007 Männer im Alter von 50 bis 74 Jahren eingeschlossen worden, die entweder ein hohes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes aufwiesen oder bei denen die Erkrankung erst kürzlich diagnostiziert worden war. Die T4DM-Studie hatte gezeigt, dass eine Kombination aus Testosterontherapie und Lebensstilintervention die Wahrscheinlichkeit verringerte, nach zwei Jahren einen manifesten Diabetes aufzuweisen.

Die nun vorgestellten Ergebnisse liefern zusätzliche Erkenntnisse aus einer Untergruppe von 121 Teilnehmern, die sich entschieden hatten, die verblindete Behandlung über weitere zwei Jahre fortzusetzen. Während dieses Zeitraums nahmen sie jedoch nicht mehr an dem strukturierten Lebensstilprogramm teil.

Ziel der Analyse war es, die langfristigen Auswirkungen der Testosterontherapie auf die Blutzuckerkontrolle, Adipositasparameter, Muskelmasse und Muskelkraft, die Sexualfunktion sowie die Sicherheit der Behandlung zu untersuchen.

Positive Effekte auf Stoffwechsel und Körperzusammensetzung, keine Vorteile bei Lebensqualität

Die Auswertung zeigt, dass die meisten Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle innerhalb der ersten zwei Jahre erzielt wurden und bis zum vierten Studienjahr teilweise nachließen. Dennoch blieb die glykämische Kontrolle in der Testosterongruppe signifikant besser als unter Placebo.

Die während der ersten beiden Jahre beobachteten positiven Veränderungen der Körperzusammensetzung – eine Reduktion der Fettmasse bei gleichzeitiger Zunahme der Muskelmasse – hielten auch nach vier Jahren an. Gleiches galt für die Verbesserung des sexuellen Verlangens.

Hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte die Testosterontherapie jedoch weder nach zwei noch nach vier Jahren einen eindeutigen Vorteil gegenüber Placebo. Über den gesamten Beobachtungszeitraum unterschieden sich die beiden Studiengruppen diesbezüglich nicht. Neue Sicherheitsbedenken wurden im Rahmen der Nachbeobachtung allerdings auch nicht festgestellt.

Testosterontherapie kein Ersatz für gesunden Lebensstil

„Unsere Daten zeigen, dass Testosteron allein bei den von uns untersuchten Männern ab 50 Jahren keine Alternative zu Veränderungen der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten darstellt. Den größten Nutzen scheint die Behandlung in Kombination mit Lebensstilinterventionen zu entfalten“, erläutert Wittert.

Die Ergebnisse könnten behandelnde Ärzt:innen dazu bewegen, die metabolische Gesundheit, Taillenumfang, Muskelgesundheit, sexuelle Symptome und den Testosteronstatus von Männern eher als miteinander verknüpfte Faktoren zu betrachten, anstatt diese isoliert zu behandeln.

(mkl/BIERMANN)