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Hirnmetastasen

Endlich eine „Strahlentherapie 2.0“?

19.06.2017
Graphik: © bittedankeschön - Fotolia.com

Derzeit wird die hippocampusschonende Ganzhirnbestrahlung mit stereotaktischer Dosiserhöhung auf die Hirnmetastasen untersucht.

Hirnmetastasen treten bei circa 20 bis 40 Prozent aller Krebspatienten in fortgeschrittenen Stadien ihrer Erkrankung auf. Mit der „klassischen“ Ganzhirnbestrahlung werden bereits gute Therapieergebnisse erreicht. Sie ist jedoch nicht nebenwirkungsfrei, da sie unter anderem zu kognitiven Einschränkungen führen kann. Derzeit wird die hippocampusschonende Ganzhirnbestrahlung mit stereotaktischer Dosiserhöhung auf die Hirnmetastasen untersucht – erhofft werden gleich zwei Effekte. „Sie ist aggressiver gegenüber den Tumorzellen, aber schont die gesunden Hirnzellen, insbesondere im Hippocampus“, erklärt Prof. Anca Grosu, Freiburg. „Wir hoffen auf mehr Wirkung bei weniger Nebenwirkungen“.

Viele Patienten berichten in den ersten Monaten nach einer Ganzhirnbestrahlung von einer deutlichen und merkbaren Verschlechterung des Lernens und der Gedächtnisleistung. In einer großen randomisierten Multicenter-Studie, der NOA-14/ARO 2015-3/HIPPORAD-Studie, wird nun untersucht, ob die Ganzhirnbestrahlung mit Schonung des Hippocampus, einem Hirnareal, das beim Lernen und Erinnern eine Rolle spielt, mit einer besseren neurokognitiven Funktion der Patienten einhergeht als die „klassische“ Ganzhirnbestrahlung. Wie Studienleiterin Grosu erklärte, erhofft man sich mit dem neuen Verfahren weniger unerwünschte neurokognitive Nebenwirkungen.

Zusätzlich könnte die Methode auch zu einer besseren Tumorkontrolle führen. Denn mit der modernen Hochpräzisionsstrahlentherapie ist es nun möglich, zielgenau nur die vorhandenen Hirnmetastasen mit einer erhöhten Strahlendosis (Boost) zu behandeln. „Die Idee ist, den Hippocampus zu schonen und gleichzeitig die Intensität der Tumorbehandlung zu erhöhen. Kurz gesagt: Diese Methode ist aggressiver gegenüber den Tumorzellen, trifft aber weniger die gesunden Hirnzellen“, so Grosu.

Professor Dr. Stephanie E. Combs, Pressebeauftragte der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), München, ergänzte: „Die Studie ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer zielgerichteten Strahlentherapie. Wenn die hippocampusschonende Ganzhirnbestrahlung bessere Ergebnisse im Hinblick auf Nebenwirkungen und Tumorkontrolle mit sich bringt, ist das eine innovative Weiterentwicklung in der Behandlung von Hirnmetastasen, dann können wir mit Fug und Recht von einer Strahlentherapie 2.0. sprechen.“

Die deutschlandweite, multizentrische NOA-14/ARO 2015-3/HIPPORAD-Studie wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Die Studienergebnisse werden voraussichtlich Anfang 2019 vorliegen.
 

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