Greifswalder Forschung zur Bestandsentwicklung heimischer Fledermäuse15. Juni 2026 Personen im Winterquartier auf der Suche nach Fledermäusen Foto: Marcus Fritze Tief in alten Kellern, Bunkern und Höhlen beginnt vielerorts Jahr für Jahr dieselbe stille Routine: Ehrenamtliche Naturschützer zählen überwinternde Fledermäuse, notieren Bestände und dokumentieren Veränderungen. Lange blieben diese wertvollen Daten auf verschiedene Archive und Datenbanken verteilt. Mit „BATLAS“, einer an der Universität Greifswald entwickelten Plattform für Fledermausmonitoring, entsteht daraus erstmals ein deutschlandweites Bild der Bestandsentwicklung heimischer Fledermäuse. Drei aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, wie das Zusammenspiel von ehrenamtlichem Engagement, innovativen Analysemethoden und digitaler Vernetzung neue Möglichkeiten für den Schutz der biologischen Vielfalt eröffnet.Im Mittelpunkt des Bundesweiten digitalen Atlas zur Analyse von Fledermaus-Populationsdaten (BATLAS) https://batlas.info/ steht die Zusammenführung und Analyse bundesweiter Daten. Das an der Universität Greifswald konzipierte Tool wird heute in enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Behörden, Ehrenamtlichen und der Kompetenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt weiterentwickelt. Aktuell enthält die Plattform rund 150 000 Datensätze von Winterquartierzählungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie liefert erstmals deutschlandweite Populationstrends für 16 heimische Fledermausarten. Damit schafft BATLAS eine Grundlage, um die Entwicklung heimischer Fledermauspopulationen deutschlandweit zu verfolgen und Bestandsveränderungen einzelner Arten verlässlich zu bewerten. Auswertungen zeigen ein differenziertes Bild Während sich einige Arten – etwa die Kleine Hufeisennase – positiv entwickeln, verzeichnen andere wie das Graue Langohr weiterhin Bestandsrückgänge. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise für den Naturschutz. Sie helfen dabei, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen und ihre Wirksamkeit zu bewerten. „BATLAS zeigt, was möglich wird, wenn Menschen ihre Daten teilen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten“, sagt Dr. Marcus Fritze. Er hat die Plattform gemeinsam mit Dr. Saskia Schirmer, Stefan Mayr und weiteren Forschenden an der Universität Greifswald entwickelt. „Viele Fledermausdaten wurden über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich erhoben, lagen jedoch in unterschiedlichen Datenbanken, Tabellen und Archiven verteilt. BATLAS schafft daraus erstmals ein gemeinsames, analysierbares System“, ergänzt Schirmer. Drei veröffentlichte Studien – ein gemeinsames Ziel Die drei Studien betrachten das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Ecological Indicators stellt neue statistische Verfahren vor. Mit diesen lassen sich auch aus lückenhaften Monitoringdaten belastbare Populationstrends ableiten. Eine zweite Studie in Ecological Informatics beschreibt BATLAS als digitale Plattform zur Zusammenführung, Standardisierung und Auswertung bundesweiter Fledermausdaten. Die dritte Veröffentlichung in Natur und Landschaft rückt die Menschen hinter den Daten in den Mittelpunkt. Sie zeigt, wie entscheidend das langjährige Engagement von Ehrenamtlichen für den Fledermausschutz ist. Gemeinsam schaffen die drei Arbeiten wichtige Grundlagen für die Naturschutzplanung, die Bewertung von Schutzmaßnahmen sowie die Berichterstattung zum Zustand geschützter Arten.Die Grundlage von BATLAS bilden derzeit Winterquartierzählungen, die vielerorts seit Jahrzehnten mit hohem persönlichem Einsatz durchgeführt werden. Meist werden sie durch Ehrenamtliche, Arbeitsgemeinschaften, Naturschutzverbände oder lokale Fachgruppen umgesetzt. „Ohne dieses Engagement gäbe es BATLAS nicht“, betont Prof. Gerald Kerth. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Angewandte Zoologie und Naturschutz an der Universität Greifswald. „Die Plattform lebt vom Vertrauen, vom persönlichen Austausch und vom gemeinsamen Interesse am Schutz der Fledermäuse.“ Ehrenamt als Fundament des Fledermausschutzes Die drei Studien zeigen, dass wirksamer Naturschutz auf langfristigen Daten und langfristigem Engagement beruht. Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für die Naturschutzplanung, die Berichterstattung Deutschlands zum Zustand geschützter Arten im Rahmen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH Richtlinie) sowie für Rote-Liste-Bewertungen. Zugleich zeigen sie, wie wertvoll langfristige Bürgerforschung für den Schutz der biologischen Vielfalt ist. BATLAS macht deutlich, wie ehrenamtlich erhobene Daten durch moderne Analyseverfahren und digitale Werkzeuge zu einer belastbaren Grundlage für Forschung, Naturschutz und politische Entscheidungen werden können.Die Forschenden sehen in BATLAS zugleich ein Modell für den zukünftigen Umgang mit Biodiversitätsdaten. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Citizen Science, moderne Forschung und digitale Infrastruktur zusammenwirken können, um verlässliche Grundlagen für den Schutz der biologischen Vielfalt zu schaffen. Weitere Informationen BATLAS: Portal für Fledermauspopulationstrends https://batlas.info/Zoologie an der Universität Greifswald https://zoologie.uni-greifswald.de/struktur/abteilungen/angewandte-zoologie-und-…
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