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Evolution

Menschen erkennen Emotionen in Tierstimmen

31.07.2017
Menschen können auch am Quaken eines Frosches erkennen, ob das Tier erregt ist oder entspannt. (© foto_tech - Fotolia.com)

Menschen erkennen Emotionen in Stimmen aller landlebenden Wirbeltiere. Forscher schließen daraus, dass es einen universellen Code zum Entschlüsseln von akustischen Signalen geben könnte – von Amphibien bis hin zu Säugetieren.

Amphibien, Reptilien, Säugetiere – sie alle kommunizieren über akustische Signale. Und Menschen sind in der Lage, den emotionalen Inhalt dieser Signale einzuschätzen. Das belegt eine neue Studie, die Forscher der Vrije Universität Brüssel und der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Kollegen aus Alberta, Kanada, und Wien in der Zeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht haben. Sie interpretieren dieses Ergebnis als Hinweis, dass es im Tierreich einen Universalcode für den stimmlichen Ausdruck von Emotionen und deren Entschlüsselung geben könnte.
 
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Menschen Emotionen in den Stimmen vieler verschiedener Säugetiere erkennen können. Die neue Studie erweitert diese Ergebnisse auf Amphibien und Reptilien.
 
Das Team um die Forscherin Dr. Piera Filippi, inzwischen an der Universität Aix-Marseille und am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nimwegen, kooperierte für die Studie unter anderem mit dem Bochumer Philosophen Prof. Albert Newen sowie den Bochumer Biopsychologen Prof. Onur Güntürkün und PD Dr. Sebastian Ocklenburg.
 
Tierstimmen aus unterschiedlichen Wirbeltierklassen
 
An der Studie nahmen 75 Probanden teil, deren Muttersprache Englisch, Deutsch oder Mandarin war. Sie hörten Audioaufzeichnungen von neun verschiedenen Wirbeltierspezies aus den Klassen der Säugetiere, Amphibien und Reptilien, wobei letztere Vögel und andere Reptilien umfassten.
 
Die Teilnehmer waren in der Lage, zwischen hoher und niedriger Erregung in den akustischen Signalen aller Tierklassen zu unterscheiden. Sie verließen sich dabei auf zwei Parameter: den Grundton sowie die Schwerpunktwellenlänge, ein Maß dafür, wo sich der Mittelpunkt des Frequenzspektrums in dem Signal befindet.
 
Gemeinsamer evolutionärer Ursprung
 

"Die Ergebnisse legen nahe, dass es fundamentale Mechanismen für den akustischen Ausdruck von Emotionen gibt –  und zwar über alle Wirbeltierklassen hinweg", schlussfolgern die Autoren. Es könne sich um ein Signalsystem mit einem gemeinsamen evolutionären Ursprung handeln. Schon vor über einem Jahrhundert hatte Charles Darwin vorgeschlagen, dass akustische Emotionsäußerungen auf unsere frühesten Vorfahren an Land zurückgehen.
 

Menschen können auch am Quaken eines Frosches erkennen, ob das Tier erregt ist oder entspannt. (© foto_tech - Fotolia.com)