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Bayerns Fachärzte verteidigen IGeL

„Gesundheitspolitische Doppelmoral“

02.08.2012
Bärtl: "OCT - eine medizinisch sinnvolle Maßnahme." Foto: BVA/Krzizok

Der Bayerische Facharztverband (BFAV) wehrt sich gegen die jüngsten Angriffe auf die ärztlichen IGeL-Angebote und die politischen Aktivitäten zur Begrenzung dieser Leistungen.

Bayerns Fachärzte beklagen eine „gesundheitspolitische Doppelmoral“ bei der Therapiebewertung und spitzen dies zu auf die provokante Frage: „‘Kassen-Hokuspokus‘ gut – ‚Arzt-IGeL‘ schlecht?“


„Während Krankenkassen Versichertengelder ungefragt und von der Politik und Aufsicht unbeanstandet mit vollen Händen für fragwürdige Therapien oder unsinnige PR-Gags wie Granulat-Hantel-Walking ausgeben, werden medizinisch sinnvolle Maßnahmen, wie die optische Kohärenz-Tomographie (OCT) zur Vermeidung von Erblindungen oder die Knochendichtemessung zur Verhinderung von schweren schmerzhaften und in der Behandlung kostenverursachenden Brüchen, seit Jahren als IGeL-Leistungen diffamiert und Ärzte als Geldschneider abgeurteilt“. So stuft Dr. Wolfgang Bärtl, Sprecher des BFAV, die jüngsten Gesundheitsangebote der Krankenkassen ein.



Die von den Krankenkassen gebunkerten Überschüsse, gespeist von den Zwangsbeiträgen der Mitglieder, verursachten in den Chefetagen der Krankenkassen offenbar „Kreativkrämpfe mit skurrilen Ergebnissen“ zur Gewinnung neuer Kunden, so der BFAV. Darunter befänden sich neben der harmlosen Feldenkrais-Bewegungstherapie auch die Behandlung mit Eigenurin. Für Bärtl sind diese Angebote der Krankenkassen „ein Hokuspokus für Wundergläubige“.



Hier würden medizinisch fragwürdige Angebote anscheinend allein deshalb gefördert, weil sie von den Krankenkassen selbst gesteuert würden. Dies zeige ein tiefsitzendes Misstrauen gegen die Ärzteschaft, folgert der BFAV-Sprecher und betont demgegenüber, dass der Haus-beziehungsweise Facharzt seinem Patienten in der Verantwortung wohl näher stehe als „ein Kassenbürokrat ohne jede medizinische Kenntnisse“.



Kritik übt Bärtl hier auch an der Politik, „die auf diesem Auge wohl blind ist und sich populistisch und unreflektiert am Arztbashing beteiligt“.
 

 

Bärtl: "OCT - eine medizinisch sinnvolle Maßnahme." Foto: BVA/Krzizok