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03.02.2012
Eine halbe Stunde zum Urinieren

Mädchen besser vor Genitalverstümmelung schützen

Die Beschneidung verstümmelt die Mädchen nicht nur körperlich. Bild: ksena32@ukrpost.ua - Fotolia

Am Montag, dem 6. Februar, wird der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung begangen. In Deutschland sind mehrere tausend Mädchen von dieser barbarischen Tradition bedroht. Das Netzwerk Integra fordert einen Aktionsplan zu ihrem Schutz.

Mehrere tausend Mädchen aus Einwandererfamilien sind der Gefahr ausgesetzt, in Deutschland oder während eines Aufenthalts im Heimatland der Eltern an ihren Genitalien beschnitten zu werden. Diese Menschenrechtsverletzung ist in vielen afrikanischen Ländern und Teilen Asiens noch immer verbreitet und führt oft zu schweren körperlichen und seelischen Schäden, im Extremfall sogar zum Tod.

Deshalb fordert Integra, das bundesweite Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung, dringend einen Nationalen Aktionsplan zum wirksamen Schutz gefährdeter Mädchen.

Integra-Sprecherin Barbara Schirmel: „Wir können nicht zulassen, dass Mädchen hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien verstümmelt werden. Die deutsche Politik darf sich hier ihrer Verantwortung zum Schutz der Frauen nicht entziehen. Neben einer gesetzlichen Verankerung braucht es vor allem aktive Prävention.“ In anderen europäischen Ländern wie z.B. Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz gebe es bereits entsprechende Nationale Aktionspläne oder Präventionsprogramme. Darum fordere Integra, dass sich auch die Bundesregierung dieser Herausforderung stellt. „Der Schutz gefährdeter Mädchen darf nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen.“

Aufgrund eines Bundestagsbeschlusses (BT 16/9420, S. 6) wurde 2009 unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Beendigung weiblicher Genitalverstümmlung gegründet. Diese sollte gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Mädchen in Deutschland und in den Herkunftsländern entwickeln.

Integra hat hierzu konkrete Vorschläge erarbeitet - wie die Fortbildung von Fachkräften und Präventionsarbeit mit MigrantInnen in Deutschland - und setzt sich für einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz gefährdeter Mädchen ein. Die Vorschläge sind unter www.netzwerk-integra.de zu finden.

2010 zog sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus der Koordinierung der Bund-Länder-AG zurück. Integra fordert dringend die sofortige Wiederaufnahme der Arbeitsgruppe und die Umsetzung des Parlamentsbeschlusses.

INTEGRA ist ein Netzwerk von derzeit 24 deutschen Organisationen, die sich weltweit für eine Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) engagieren. Bundespräsident Christian Wulff hat die Schirmherrschaft von INTEGRA übernommen.

Auch das WDR-Magazin FrauTV nahm sich in seiner gestrigen Sendung des Themas an - der Beitrag ist unter http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2012/0202/thema_3.jsp nachzulesen.

Er verdeutlicht die dramatischen dauerhaften Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen vor Augen: Neben den unbeschreiblichen Schmerzen ist der lebenslange mehr oder weniger vollständige Verlust des Lustempfindens zu nennen und die Tatsache, dass das Urvertrauen der Mädchen dadurch zerstört wird, dass sie von ihrer Mutter - oft auch körperlich - dazu gezwungen werden. Wie die Beraterin Jawahir Cumar erklärt, hat eine besonders drastische Form der Beschneidung - die pharaonische - unter anderem zur Folge, dass die Mädchen eine halbe Stunde zum Urinieren brauchen.

Am Ende werden die folgenden Nummern für eine anonyme telefonische Beratung in sechs Sprachen aufgeführt:
- 0211/ 985 957 89 (deutsch)
- 0211/ 248 66625 (englisch)
- 0211/ 248 690 39 (französisch)
- 0211/ 980 775 58 (arabisch)
- 0211/ 983 979 15 (kiswahili)
- 0211/ 983 979 11(somalisch)

 

Die Beschneidung verstümmelt die Mädchen nicht nur körperlich. Bild: ksena32@ukrpost.ua - Fotolia

     

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