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27.01.2012
Ovarialkarzinome

Tests auf BRCA1/2-Keimbahnmutationen berechtigt

Routine-Tests auf BRCA1/2-Keimbahnmutationen erscheinen berechtigt. Bild: iQoncept - Fotolia

Bei Patientinnen mit einem invasiven epithelialen Ovarialkarzinom war eine Keimbahnmutation in den BRCA1- oder BRCA-2-Genen mit einem verbesserten 5-Jahres-Gesamtüberleben assoziiert.

Dabei hatten Trägerinnen von BRCA2-Mutationen die beste Prognose, so eine Studie im JAMA vom 25. Januar.

„Keimbahnmutationen in den Tumorsuppressorgenen BRCA1 und BRCA2 sind die stärksten bekannten genetischen Risikofaktoren sowohl für Mamma- als auch epitheliale Ovarialkarzinome (EOC). Sie werden bei 6 bis 15 Prozent der Frauen mit EOC gefunden“, so die Hintergrund-Information in dem Artikel. „Die relative Prognose von BRCA1/2-Trägerinnen und Nicht-Trägerinnen ist unklar.”

Dr. Kelly L. Bolton vom National Cancer Institute, Bethesda, und ihre Kollegen führten eine Studie durch, um Evidenz für den relativen Effekt des Keimbahn-BRCA1- und BRCA2-Mutationen auf die Prognose von Frauen mit epithelialen Ovarialkarzinomen zu schaffen. Die Studie bestand aus einer gepoolten Analyse von 26 Beobachtungsstudien zum Überleben von Frauen mit Ovarialkarzinom, die Daten von 1213 EOC-Fällen mit pathogenen Keimbahnmutationen in BRCA1 (n = 909) oder BRCA2 (n = 304) sowie von 2666 Nicht-Trägerinnen umfassten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen 1987 und 2010 nachbeobachtet wurden. Im Verlauf der fünf Jahre nach der EOC-Diagnose traten 1766 Todesfälle auf.

Die Wissenschaftler fanden, dass das 5-Jahres-Gesamtüberleben bei Nichtträgerinnen der Genmutationen 36 Prozent betrug, 44 Prozent bei BRCA1-Trägerinnen und 52 Prozent bei BRCA2-Trägerinnen.

In einem Modell, das lediglich nach dem Studienzentrum und dem Jahr der Diagnose adjustiert war, hatten BRCA1-Trägerinnen ein günstigeres Überleben als Nicht-Trägerinnen, das sich nach zusätzlicher Anpassung nach Stadium, Grad, Histologie und Alter bei der Diagnose leicht verbesserte. BRCA2-Trägerinnen hatten im Vergleich zu Nicht-Trägerinnen einen größeren Überlebensvorteil, insbesondere nach Adjustierung um andere prognostische Faktoren.

Der Überlebensvorteil für BRCA1- und BRCA2-Trägerinnen, verglichen mit Nicht-Trägerinnen, war vorhanden, aber bei Frauen, die eine Familienanamnese mit Ovarial- oder  Mammakarzinomen oder beidem angaben, aber weniger ausgeprägt.

„Unsere Studienergebnisse haben potenziell wichtige Implikationen für das klinische Management von Patientinnen mit EOC“, schreiben die Forscher. „Nahezu umgehend können unsere Befunde von Medizinern zur Beratung von Patientinnen im Hinblick auf das Überleben genutzt werden. BRCA1- und BRCA2-Trägerinnen mit EOC sprechen besser als Nicht-Trägerinnen auf Platin-basierte Chemotherapien an und haben ein verbessertes Überleben – trotz des Umstands, dass die Erkrankung im Allgemeinen in einem späteren Stadium und bei einem höheren Grad diagnostiziert wird. Wenn die Patientinnen auf Basis ihres BRCA-Status stratifiziert werden könnten, könnte ihre Behandlung so zugeschnitten werden, dass dieses widergespiegelt wird, wobei Nicht-Trägerinnen aggressivere Behandlungen erhalten würden. Unsere Daten liefern weitere Belege dafür, dass es unterschiedliche Funktionsmechanismen geben könnte, die an der Ätiologie unterschiedlicher Subtypen von EOCs beteiligt sind und damit unterschiedliche therapeutische Targets, auf Basis der Keimbahn- und somatischen genetischen Variationen“, schreiben die Forscher. 

„... Angesichts der wichtigen prognostischen Information, die der BRCAl- und BRCA2-Status liefert und dem Potenzial für die personalisierte Behandlung der Trägerinnen, könnten routinemäßige Tests von Frauen, die sich mit einem hochgradigen serösen EOC vorstellen, nun gerechtfertigt sein.“

In einem begleitenden Editorial schreiben Dr. David M. Hyman und Dr. David R. Spriggs vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center und vom Weill Cornell Medical College, New York, dass die Daten dieser Studie wichtige Implikationen für die Zukunft der Erforschung und Behandlung von Ovarialkarzinomen haben.

„Phase-III-Studien, die nicht nach dem BRCA-Mutationsstatus stratifizieren oder diesen Faktor in einer voraus geplanten statistischen Analyse berücksichtigen, riskieren eine potenzielle Verzerrung, da rund 15 Prozent der nicht selektierten Patienten mit serösen Ovarialkarzinomen eine BRCA1/2-Keimbahn-Mutation tragen. Darüber hinaus haben andere Studien Unterschiede bei der Reagibilität auf eine Chemotherapie und das progressionsfreie Überleben zwischen sporadischen BRCA1- und BRCA2-assoziierten Ovarialkarzinomen gefunden. Tests auf BRCA-Keimbahnmutationen sollten durchgängig sowohl in das routinemäßige Management als auch in künftige Phase-III-Studien zu Ovarialkarzinomen eingebunden werden.“

 

Routine-Tests auf BRCA1/2-Keimbahnmutationen erscheinen berechtigt. Bild: iQoncept - Fotolia

     

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