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22.02.2012
Studierende im Praktischen Jahr

Chirurgen für Beibehaltung des Wahltertials

Rote Karte
Chirurgen sprechen sich gegen das Pflichttertial Allgemeinmedizin aus. Foto Pictureart / Fotolia

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) als Vertretung von zehn chirurgisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften wendet sich gegen die Festschreibung eines Pflichttertials Allgemeinmedizin in der neuen Approbationsordnung.

Die DGCH, in der auch Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) vertreten ist, bezieht sich damit auf den angenommenen Änderungsantrag des Gesundheitsausschusses im Bundesrat zur Novelle der Approbationsordnung. Diese sieht unter anderem vor, das Wahltertial im Praktischen Jahr (PJ) abzuschaffen.

Die Medizinstudierenden Deutschlands haben gegen Pläne der Landesgesundheitsministerien protestiert, das Wahltertial im PJ zugunsten eines allgemeinmedizinischen Pflichtabschnitts von vier Monaten in einer hausärztlichen Praxis abzuschaffen. In einer gemeinsamen Erklärung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) sowie der Studierendenvertreter des Marburger Bundes und des Hartmannbundes haben sie vor einer einseitigen Fokussierung auf die Allgemeinmedizin gewarnt. „Dies findet die volle inhaltliche und nachhaltige Unterstützung der chirurgischen Fachgesellschaften“, sagt Professor Dr. med. Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin.

Das PJ findet im letzten Jahr des Medizinstudiums statt. Studierende vertiefen darin ihre Kenntnisse in der praktischen Arbeit am Patienten. Dies umfasst auch die Teilnahme an klinischen Konferenzen und an pharmako-therapeutischen und klinisch-pathologischen Besprechungen. Bislang gliedert sich das PJ in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen: Ein Tertial Innere Medizin, ein Tertial Chirurgie und wahlweise ein Tertial Allgemeinmedizin oder eines der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete.

Eine qualitative Stärkung der Primärversorgung beziehungsweise der Allgemeinmedizin sei zwar zu begrüßen, betont Professor Bauer. Dies dürfe jedoch nicht zu Lasten der anderen Fächer gehen: „Der Medizinermangel ist längst in allen Fachgebieten und insbesondere in den chirurgischen Fächern spürbar. Die operativen Disziplinen haben bereits jetzt enorme Probleme, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen.“ Die von den Landesgesundheitsministerien im Gesundheitsausschuss eingebrachten Änderungsvorschläge zur Approbationsordnung würden zwangsläufig zu Engpässen in den anderen Fächern führen. Das Wahltertial dient Studierenden zur Orientierung für das später zu wählende Weiterbildungsfach und die Weiterbildungsstätte, erläutert Bauer: „Eine Pflichtkanalisierung in Richtung Allgemeinmedizin wäre unter Berücksichtigung gleichgelagerter Herausforderungen für die anderen und insbesondere die operativen Fächer geradezu kontraproduktiv.“ Allgemeinmedizin im praktischen Teil der studentischen Ausbildung auf diese Weise rein quantitativ zu stärken, führe nicht zwangsläufig dazu, dass sich später mehr junge Ärztinnen und Ärzte für diesen Bereich der Primärversorgung und für die Niederlassung als Hausarzt entscheiden.

„Es muss auch die Verhältnismäßigkeit eines solchen erheblichen Eingriffs in die Studienfreiheit gewichtet werden“, sagt Bauer. Mit Zwang schon bei der Fächerwahl im Praktischen Jahr lasse sich gegen den Hausärztemangel wenig ausrichten. Demgegenüber stehen bei einer solchen Regelung ernst zu nehmende Erschwernisse für die anderen Fächer. (fh/red)

 

Chirurgen sprechen sich gegen das Pflichttertial Allgemeinmedizin aus. Foto Pictureart / Fotolia

     

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